Was zeichnet einen Arthouse Film aus?

28.03.2016

Sebastian Schipper @ Polyfilm

Wenn ein künstlerisch ambitionierter Film kategorisiert werden soll, fällt häufig das Wort Arthouse als Genre-Bezeichnung. Aber was genau ist unter diesem Begriff eigentlich zu verstehen?

Arthouse versus Mainstream

Der Begriff Arthouse bezeichnet Filme, die außerhalb der großen Studios mit geringem Budget und ohne große Spezialeffekte gedreht werden. Auf bekannte Schauspieler und PR- Arbeit wird in der Regel verzichtet. Diese Filme laufen dann auch nicht in den großen Kinos, sondern in kleineren Programmkinos.

Arthouse Filme unterscheiden sich von Blockbustern auch durch unkonventionelle Erzählstrukturen, innovative Ideen und die Fokussierung auf komplexe Dialoge und starke Charaktere. Außergewöhnliche Bildsprache und ungewohnte Ästhetik unterstreichen diesen Anspruch. Demzufolge liegt der Schwerpunkt eines Arthouse Filmes auch nicht auf Unterhaltung, sondern vielmehr in der Behandlung gesellschaftlicher und philosophischer Fragen. Der deutsche Arthouse-Regisseur Sebastian Schipper (z.B. „Absolute Giganten“ und „Victoria“) beschreibt dies so: „Der Film soll das Trapez sein für den Trip jeden Zuschauers. Er muss so involviert sein, dass er jederzeit denkt: Ja, es gibt eine Möglichkeit, dass ich das vielleicht auch machen würde.“

Der Regisseur als Künstler

Häufig sind Arthouse-Filme auch sogenannte Autorenfilme, d. h. sie sind von einer einzelnen Person maßgeblich geprägt. So zeichnet sich der Regisseur auch verantwortlich für maßgebliche Aufgaben wie Drehbuch und Schnitt, in manchen Fällen ist er auch Produzent und mehr. Im Gegensatz zu klassischen Mainstream-Filmen lässt sich der Regisseur daher hier als der Künstler hinter dem Werk bezeichnen, der letztlich über sämtliche künstlerische Aspekte des Filmes entscheidet.

Der Entwicklung der Arthouse – Bewegung

Die Entwicklung des Arthouse- Filmes in der heutigen Form begann zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Filmen, die auf dem Werk dramatischer Autoren beruhten. Die Filmschaffenden erhofften sich damals vom Engagement bedeutender Dramatiker einen Aufschwung des Kinos. Allerdings blieb das Publikumsinteresse aus und die ursprüngliche Form des Autorenfilms verschwand nach wenigen Jahren wieder vom Radar des Mainstreams.

Zwischen 1920 und 1940 entwickelte sich dann Hollywood immer mehr zum Marktführer in der Filmbranche. Durch das Studio- und Starsystem wurde die Filmproduktion nicht länger einzelnen Autoren in die Hand gegeben, stattdessen beauftragte man Studios mit der Produktion. Als Folge davon veränderte sich die Produktionsweise und der Autor wandelte sich vom unabhängigen Künstler zum Drehbuchlieferanten.

Was aber nicht das Ende des Autorenfilmes bedeutete, denn parallel zu Hollywood legte der Autorenfilm an Anspruch zu und entwickelte sich zu dem Filmgenre weiter, das wir heute als Arthouse Film bezeichnen. Die beiden Genres Arthouse und Autorenfilm gehen somit Hand in Hand.

Die Bezeichnung „Arthouse“ selbst hat seinen Ursprung in den USA. Da Arthouse Filme naturgemäß ein anspruchsvolles Publikum voraussetzten, liefen sie nicht in den Mainstream-Kinos, sondern in kleineren Programmkinos, sogenannten „Arthouses“.

Die ersten Arthouse-Kinos entstanden Ende der 1920er Jahre in den USA, vor allem in den Großstädten der Ostküste. Auf dem Programm standen in erster Linie unabhängige und europäische Filme sowie Avantgarde-Produktionen. In den 1950er Jahren erlebten die Arthouses dann einen Boom als Vorführorte für europäische Autorenfilme und für Wiederaufführungen innerhalb von Retrospektiven.

Insgesamt entstanden bis 1960 etwa 500 derartige Arthouses, die künstlerisch anspruchsvolle und ausländische Filme für ein vorwiegend akademisch gebildetes Publikum spielten. In den 1970er und 1980er Jahren etablierten sie sich als Kinos für den Independent- und Underground-Film. Zeitgleich entstanden auch in Europa zahlreiche Arthouse Kinos als Antwort auf die Versuche der Kinoindustrie, kleineren Kinos das aktuelle Kinoprogramm vorzuenthalten. Die so entstandenen Programmkinos waren im Vergleich zu anderen Kinos von der Verleihstrategie und den Vorgaben der Filmverleiher unabhängig.

In Europa spiegelte sich die Art-House-Bewegung auch in der Kultur des deutschen Filmkunstkinos und der englischen „specialized halls“. Heute hat sich der Begriff Arthouse als Bezeichnung für künstlerische, nichtkommerzielle Filme selbst durchgesetzt.

Die HD Austria Top Five Arthouse Empfehlungen

The Lobster (2015)

In der Science Fiction Romanze des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos ist es eine Sache von Leben und Tod, den richtigen Partner zu finden. Denn die Menschen müssen in dieser seltsamen Welt als Paare leben und wer seinen Lebenspartner nicht findet, wird in ein Single-Ressort gesteckt. Scheitert auch dieser Versuch, wird man in ein Tier verwandelt.

Anomalisa (2015)

Der Animationsfilm von Duke Johnson nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Charlie Kaufman beschreibt das Leben des Eigenbrötlers Michael Stone, der völlig in seiner eigenen Welt lebt und nicht wirklich Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen kann. Eines Tages lernt er auf einer Dienstreise Lisa kennen, die sein Weltbild ordentlich durcheinander bringt.

Victoria (2015)

Die junge Victoria (Laia Costa) aus Madrid lernt bei einem nächtlichen Streifzug durch Berlin vier Jungs kennen und wird in einen illegalen Coup hineingezogen – mit verheerenden Konsequenzen, die alle Beteiligten für immer verfolgen werden.

Blue Ruin (2013)

In der düsteren Indie-Produktion wird der Außenseiter Dwight Evans (Macon Blair) zum Racheengel, um den grausamen Mord an seinen Eltern zu rächen. Als er die Nachricht erhält, dass der Mörder aus dem Gefängnis entlassen wurde, beginnt er mit den Vorbereitungen für seine Vergeltung.

Mud (2012)

Im Südstaaten-Abenteuer Mud von Jeff Nichols entdecken die zwei Teenager Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland) auf einer Mississippi-Insel ein Boot in einer Baumkrone, in dem sich der flüchtige Verbrecher Mud (Matthew McConaughey) versteckt.  Die Polizei ist ihm wegen eines Verbrechens aus Liebe zu seiner Freundin Juniper (Reese Witherspoon) knapp auf den Fersen. Von der Romantik dieser Geschichte tief beeindruckt,  beschließen die beiden Jungs, Mud bei der Flucht zu helfen.

 

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