Die großen europäischen Regisseure

19.05.2021

Altmeister des Kinos: Sie prägen seit Jahrzehnten den europäischen Film. Unsere (nicht vollständige) Liste der Top-Regisseure aus Europa

Michael Haneke, geboren 1942

© Katharina Sartena

Haneke gilt als einer der führenden Filmkünstler des Kontinents. Der Österreicher gewann 2012 den Oscar für sein Drama „Amour“. Jeder seiner Kinofilme, beginnend mit „Der siebente Kontinent“ (1989) lief beim Filmfestival in Cannes. Dort gewann er etliche Preise, darunter zweimal den Hauptpreis, die Goldene Palme, und zwar für „Amour“ und „Das weiße Band“ (2010). Hanekes Regiestil ist nüchtern und spielt mit Auslassungen und der Imagination des Zuschauers. Seine Darstellung von Gewalt, zum Beispiel in „Funny Games“ (1997), in „Caché“ (2005) oder in „Benny’s Video“ (1992) brachten ihm auch Kritik ein; jedoch sieht sich Haneke auch als Chronist der Vergletscherung menschlicher Gefühle. Die meisten seiner Filme dreht er inzwischen in Frankreich.

Pedro Almodovar, geboren 1949

Zwei Filmexperten unter sich – Pedro Almodovar & unser Filmjournalist Matthias Greuling
© Katharina Sartena

Pedro Almodovar ist nicht nur der beliebteste und am meisten ausgezeichnete spanische Filmemacher seit Bunuel, sondern auch einer der produktivsten. Seine Filme, darunter Hits wie „Alles über meine Mutter“, „Sprich mit ihr“ oder „Volver“ zirkeln allesamt um die Themen Liebe, Sexualität, Weiblichkeit und Begierde. Inszeniert ist das alles in sehr stylischen Bildern, die oftmals auch provozieren. Weil Almodovar gerne weibliche Charaktere in den Mittelpunkt rückt, genießt er bei den Schauspielerinnen den Ruf, ein „Frauenregisseur“ zu sein. Über seine Filmthemen sagt er treffend: „Mein Ideal einer Geschichte ist eine Frau, die sich in einer Krise befindet.“

Wim Wenders, geboren 1975

© Katharina Sartena

Mit Filmen wie „Paris, Texas“ (1984) oder „Der Himmel über Berlin“ (1987) machte sich der deutsche Regisseur weltweit einen Namen als Autorenfilmer. Viele seiner Filme sind Road Movies, Wenders liebt aber auch Musik und das Dokumentarische. Er ist etwa der Macher hinter „Buena Vista Social Club“ (1999) oder dem 3D-Tanzfilm „Pina“ (2011). Wenders lebte lange Zeit in den USA, diese Prägung durchzieht auch sein filmisches Schaffen. Seine Anfänge liegen in der Malerei, weshalb ihm die Kameraführung bei seinen Filmen besonders wichtig ist. Eine eigene Karriere hat Wenders auch in der Fotografie eingeschlagen.

Werner Herzog, geboren 1942

Die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist eines der Kernthemen von Werner Herzog. Seine Faszination für die Natur kommt nicht nur in Dokus wie „Die Höhle der vergessenen Träume“ (2010) zum Tragen, auch seine Spielfilme sind voll davon. Herzog hat mit Klaus Kinski den Klassiker „Fitzcarraldo“ (1982) gedreht, auch „Aguirre, der Gott des Zorns“ (1972) ist eine Zusammenarbeit mit Kinski. Der Exzentriker und Herzog schenkten einander am Set nichts, legendär sind Kinskis Wutausbrüche beim Dreh (auf Youtube zu finden). Oftmals geht es in Herzogs Filmen um das Überleben des Menschen in der Wildnis.

Jean-Pierre und Luc Dardenne, geboren 1951 und 1954

Die Dardenne-Brüder sind der bekannteste belgische Regie-Export. Sie liefern mit schöner Regelmäßigkeit sehr schlichte, aber ungemein dichte Geschichten. Sie reüssieren damit immer wieder in Cannes, wo sie für „Rosetta“ (1999) und „Das Kind“ (2005) bereits zwei Mal die Goldene Palme gewinnen konnten. Ihr sehr nüchterner, naturalistischer Erzählstil dient der ebenso an Schlichtheit orientierten Berliner Schule als Vorbild. In den Filmen der Dardennes (dazu zählen etwa „Der Sohn“, „Lornas Schweigen“, „Das unbekannte Mädchen“, Young Ahmed“) wird nicht viel erzählt, dafür aber mit großer Genauigkeit: Es geht um die Themen des Lebens, um gesellschaftliche Aspekte und um Moral.

Claire Denis, geboren 1946

Claire Denis behauptet stets von sich, keinen Stil zu haben, doch das stimmt so nicht. Die Filme von Claire Denis befassen sich mit den unterschiedlichsten Themen, mal mit Gewalt, mal mit Sex und Liebe, mal mit Horror – es gibt in all diesen unterschiedlichen Filmen doch wiederkehrende Motive und Themen, die ihr Werk kennzeichnen. Etwa der Einfluss ihres Aufwachsens in Afrika, weil sie die Tochter eines französischen Kolonialbeamten ist. Diese Prägung verarbeitete sie in Filmen wie „Chocolat“ (1988) und „White Material“ (2009). Künstlerische Anerkennung bekam sie vor allem für „Vendredi soir“ (2002), „Beau travail“ (1999) oder „35 Rum“ (2008).

Mike Leigh, geboren 1943

Der Autorenfilmer aus Großbritannien ist – ähnlich wie Ken Loach und Andrea Arnold – vor allem an einem sozialkritischen Kino interessiert. Aber er ist stilistisch anders: Weder kann man bei ihm offene politische Botschaften finden wie bei Loach, noch sind seine Filme Erzählkino im Stile von Arnold. Leigh fängt lieber Bruchstücke des Lebens seiner Protagonisten ein, wobei eher die Stimmung im Vordergrund steht, weniger die Handlung selbst. Das heißt nicht, dass bei Leigh nichts passiert, im Gegenteil: Viele seiner Filme sind unglaublich unterhaltsam anzusehen. Leigh arbeitet vorwiegend mit immer den gleichen Darstellern, darunter vor allem Ruth Sheen, Timothy Spall und Lesley Manville. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Naked“ (1993), „Secrets and Lies“ (1996, Goldene Palme) oder „Topsy Turvy“ (1999). Neuere Arbeiten wie „Vera Drake“ (2004, Goldener Löwe in Venedig), „Happy-Go-Lucky“ (2008) oder „Peterloo“ (2018) zeigen, wie sehr sein Stil gereift ist. Alle Filme haben eins gemeinsam: Sie entstehen stets ohne Drehbuch, direkt am Set. „Anders könnte ich gar nicht arbeiten“, sagt Leigh.

Roman Polanski, geboren 1937

Roman Polanski zählt nicht nur zu den künstlerisch erfolgreichsten Regisseuren der Filmgeschichte, sondern auch zu den umstrittensten. Denn seinen Welterfolgen „Tanz der Vampire“ (1967), „Rosemaries Baby“ (1968), „Chinatown“ (1974) oder „Der Pianist“ (2002, Oscar und Goldene Palme für Polanski) steht eine über 40 Jahre zurückliegende Vergewaltigung gegenüber, derer er bezichtigt wird. Er soll 1977 eine damals 13-Jährige in Jack Nicholsons Villa sexuell missbraucht haben, und entzog sich einem Verfahren durch rechtzeitige Ausreise aus den USA. Seither wird immer wieder versucht, ihn dahin auszuliefern, bislang ohne Erfolg. Im August 1969 wurden seine hochschwangere Frau und vier weitere Menschen von Anhängern des Sektenführers Charles Manson ermordet.

Andrea Arnold, geboren 1961

Die Britin Andrea Arnold startete ihre Karriere gleich mit einem Oscar. 2003 gewann sie den Goldmann für den Kurzfilm „Wasp“, was die Erwartungen an sie sehr hoch werden ließen. Arnold konnte liefern: Sozialrealistische Dramen wie „Red Road“, „Fish Tank“ und „American Honey“ liefen allesamt in Cannes und bestachen durch ihre genaue Beobachtungsgabe. Ihre Ästhetik zeigt das zeitgenössische England, lässt sich aber auch auf historische Stoffe anwenden, wie ihre Emily-Bronte-Adaption „Wuthering Heights“ eindrucksvoll zeigte. Arnold hatte übrigens schon vor ihrer Regiekarriere Erfahrungen vor der Kamera gesammelt: Sie erlangte erste Popularität als Schauspielerin und Moderatorin für das britische Kinderprogramm. 

Aki Kaurismäki, geboren 1957

Der trinkfeste Finne (er liebt Vodka) hat die schrulligsten Filme Europas im Gepäck, die sehr schnell durch ihre finnische Trockenheit und den lakonischen Unterton zu seinem Markenzeichen wurden: Sie sind zugleich todernst und urkomisch, eine Kombination, die sich besonders gut in seinem Durchbruch-Film „Leningrad Cowboys Go America“ (1989) und in Werken wie „Lichter der Vorstadt“ (2006) oder „Le Havre“ (2011) verorten lässt. Ein anderes Glanzstück seines Oeuvres ist der wunderbare Film „Der Mann ohne Vergangenheit“ (2002). Für „Die andere Seite der Hoffnung“ (2017) erhielt Kaurismäki den Silbernen Regiebären der Berlinale.

Ken Loach, geboren 1936

Der Brite Ken Loach gilt als Altmeister des europäischen Kinos und als unermüdlicher Kämpfer für soziale Anliegen. Seine Filme strotzen nur so vor Themen, in denen es um soziale Gerechtigkeit geht. Schon frühe Filme wie „Up the Junction“ und „Cathy Come Home“ nahmen direkten Einfluss auf die Politik. Darin ging es um Abtreibung und Obdachlosigkeit, und beide Filme führten zu Veränderungen, einerseits zum „Abortion Act“ 1967 und andererseits zum Ausbau britischer Obdachlosenquartiere. Loach, der für „The Wind that Shakes the Barley“ (2006) und „Ich, Daniel Blake“ (2016) zweimal die Goldene Palme in Cannes gewann, gibt sozialen Randgruppen eine Stimme im Kino, die sonst ungehört blieben.

Lars von Trier, geboren 1956

Wo immer Lars von Trier auftaucht, riecht es nach Provokation. 2011 flog er aus dem Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes, weil er in einer Pressekonferenz sagte, er könne Hitler verstehen und sei ein Nazi. Eine Provokation, die man ihm inzwischen verziehen hat. Von Triers Filme sind außergewöhnlich. Er begründete 1995 die Strömung des Dogma-Kinos, das Filmen vorschrieb, gänzlich ohne Licht und Effekte auskommen zu müssen. „Dogville“ war reduziertes Kino, in dem es keine Gebäude, sondern nur Grundrisse gab. „Antichrist“ zeigte grauenvoll das Leid eines Ehepaares, „Nymphomaniac“ befasste sich mit allen Arten von Sex, „Melancholia“ wurde zu einer Endzeit-Parabel, und für den Musikfilm „Dancer in the Dark“ mit Björk erhielt er 2000 die Goldene Palme in Cannes. Über seine Filme sagt er: „Ein Film soll wie ein Stein im Schuh sein“.

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