Fernseh-Finanzierung in Österreich: Privatsender & ORF kämpfen gegen Internetriesen und um die GIS

01.01.2018

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So einig waren sich ORF und Privatsender noch nie. Kein Wunder, denn gemeinsame Feinde verbinden. In diesem Fall sind es die Internetgiganten Google, Apple, Facebook, Netflix & Co, die den TV-Stationen ein Dorn im Auge sind. Denn die Internetriesen graben Anteile am Werbe- und Zuschauermarkt ab. Ein logischer Schluss, denn speziell die jungen Zuseher konsumieren immer öfter YouTube statt „echtem“ Fernsehen und Unternehmen möchten auf diesen Plattformen mit ihren Werbebotschaften ebenfalls präsent sein.

Doch es besteht kein Grund  zur Panik: denn während die Internetgiganten mit Messenger-Services wie WhatsApp schon einen erheblichen Einfluss auf den Telekommunikationsmarkt haben, liegen die TV-Marktanteile der Online-Bewegtbild-Anbieter derzeit deutlich unter dem, was vielfach angenommen wird.

Wie die im Juni 2017 veröffentlichte Studie „Die Konkurrenz aus dem Netz – OTT-Dienste in Medien und Telekommunikation” der RTR zeigt, deckt die österreichische Bevölkerung im Alter ab 14 Jahren ihren Bewegtbildkonsum immer noch zu 81 % mit dem klassischen, linearen TV-Angebot ab.

Netflix oder Amazon Video kommen hingegen nur auf einen Marktanteil von jeweils 1,2 % und YouTube von ca. 3 %, so die „Bewegtbildstudie 2017“, die der Fachbereich Medien der RTR gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Teletest beim Marktforschungsinstitut GfK Austria beauftragt hat. Die Veränderung am Bewegtbildmarkt zeichnet sich aber beim Blick auf die junge Zielgruppe schon deutlicher ab. Bei den 14- bis 29-Jährigen hat klassisches, lineares Fernsehen nur noch einen Anteil von 59 % am täglichen Bewegtbildkonsum, während Online-Videos aus Quellen wie YouTube, Amazon Video oder Social Media-Kanälen wie Facebook in Summe bereits einen Marktanteil von 26 % an der Bewegtbildnutzung der Jungen haben.

HD Austria hat den Trend zu Video-On-Demand längst erkannt und bietet seinen Kunden mit der HD Austria NOW App und der Online Videothek videociety eine Kombination aus linearem und nichtlinearem Fernsehen. Mit der App empfangen Kunden im Rahmen des HD Austria Kombi Pakets mehr als 60 TV-Sender am Handy, Tablet und Laptop, können Sendungen per Knopfdruck wiederholen und tausende Filme abrufen. In der Online Videothek sind mehr als 4.000 Filme ab 0,99 Euro zum Ausleihen verfügbar. „Bei uns finden Kunden ihr Lieblingsprogramm in bester Qualität, flexibel wann und auf welchem Device sie wollen.“ erklärt Geschäftsführer Peter Kail.

Privatsender fordern zentrales Medienbudget

Zwar rücken Privatsender und ORF näher, um sich gegen die Internetriesen zu wehren, doch das heißt noch lange nicht, dass sie sich auf allen Ebenen lieben. Den Privatsendern ist nämlich die Gebührenfinanzierung des ORF naturgemäß ein Dorn im Auge. Der ORF finanziert sich zu rund zwei Drittel aus den GIS-Gebühren, die Privatsender müssen hingegen den Großteil durch Werbeeinahmen und den Verkauf von Abonnements (Pay-TV) lukrieren.

Die Werbeeinnahmen der Privatsender reichen jedoch nicht aus, um die enorm hohen Zusatzkosten für die Bereitstellung ihrer Programme in HD-Qualität abzudecken. Denn schon die Produktion von HD-Content ist mit einem enorm großen technischen und finanziellen Aufwand verbunden. Außerdem müssen die Sender aufgrund der riesigen HD-Datenmengen jährlich viele Millionen in die zusätzlich benötigten Übertragungskapazitäten über Satellit investieren. Diese Zusatzkosten werden zum Beispiel über die Einhebung einer technischen Servicepauschale über Plattformen wie HD Austria finanziert.

Da Google & Co den TV-Sendern immer mehr Werbeeinnahmen absaugen, fordert der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP), zu dem Sender wie ProSieben, SAT.1 und Servus TV gehören, im Weißbuch „Visionen für den Medienmarkt Österreich“ eine Reform der Medienförderung. Einfach gesagt, die Privaten wollen mehr Geld vom Staat. Ein zentrales Medienbudget solle her, meint der VÖP.

Ernst Swoboda, Vorsitzender des VÖP und Geschäftsführer von Kronehit ruft zur „zeitgemäßen“ Finanzierung des ORF, und wettert damit subtil gegen die Gebührenfinanzierung.

Dass der ORF einen gesetzlich verankerte Auftrag puncto Programminhalt hat, lässt der VÖP nicht als Legitimation für GIS-Gebühren gelten: „Mehr Public Value, weniger Kommerz!“ so Markus Breitenecker, stellvertretender VÖP-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von PULS 4.

ORF bangt um Werbekunden

Auch beim ORF ist die Lage alles andere alt entspannt. Zwar finanziert der ORF nur ein Viertel seines Budgets durch Werbeeinnahmen (der Großteil wird durch GIS-Gebühren lukriert), doch sind immerhin rund 230 Millionen Euro. Sinken diese Werbeeinnahmen weiter, sieht es für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hierzulande nicht mehr rosig aus. Dass Werbekunden ihr Spots lieber auf YouTube oder Facebook schalten, kann auch kein ORF-Gesetz verhindern.

RF-Generaldirektor Alexander Wrabetz fordert einen umfassenden Schulterschluss gegen die „Dominanz deutscher Medienkonzerne im Fernsehen“, die „Übermacht globaler Player im Online-Bereich“ und „global agierende Pay-Konzerne“. Gemeinsames Ziel österreichischer Medienhäuser müsse es sein, so Wrabetz, möglichst viel Werbegeld und Wertschöpfung zur Finanzierung und Produktion von Medieninhalten in Österreich zu halten. Wrabetz spricht sich weiters für eine Zusammenarbeit mit der ProSiebenSat1-Gruppe aus, wenn es darum geht, dass das Medium TV nicht weiter Anteile am Werbemarkt verlieren soll.

Keine GIS-Gebühren für Streaming

Übrigens ist Streaming von ORF-Sendern grundsätzlich nicht GIS-gebührenpflichtig. Bereits 2015 entschied der Verwaltungsgerichtshof, dass Computer mit Internetanschluss  (jedoch ohne DVB-T-Stick) nicht als Rundfunkempfangseinrichtung zu werten sind. Das heißt, wer TV-Inhalte nur am Handy, Tablet oder Computer nutzt und kein betriebsbereites Empfangsgerät (beispielsweise einen Fernseher mit Antenne) besitzt, braucht keine GIS-Gebühr zahlen.

Zankapfel Gebühren: Wie denken ihr darüber?

Der ORF kann die fehlenden Einnahmen aus Werbung durch immer höhere Gebühren kompensieren. Zu hohe Gebühren würden allerdings auch zu immer weniger Gebührenzahlern führen und den Trend weg vom klassischen Fernsehen beschleunigen. Denn rundherum wächst das (teils kostenlose) Streamingangebot und der ORF ist schon lange nicht mehr der einzige Anbieter am österreichischen TV-Markt.

Andererseits ist der ORF durch den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag und durch das ORF-Gesetz zu ausgewogener und objektiver Berichterstattung verpflichtet. In Zeiten von Fake-News, Filterblasen und Kampagnenjournalismus nicht zu unterschätzen.

Aber ist das die ORF-Gebühr wert? Was denkt ihr darüber? Schreibt uns doch eure Meinung als Kommentar unter diesen Artikel – entweder gleich hier oder auf Facebook!

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