TOP-Filme nach wahren Begebenheiten und wie sie die Realität verzerren

01.05.2017

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Wenn Filme nach wahren Begebenheiten produziert werden, bedeutet das noch lange nicht, dass Personen, Geschehnisse und politische wie gesellschaftliche Zusammenhänge tatsächlich auch der Wahrheit entsprechen. Es ist Vorsicht geboten, denn im Namen der künstlerischen Freiheit werden Fakten einfach geändert oder Wahrheit und Fiktion bunt gemischt. Wir zeigen Ihnen Verzerrungen der Wahrheit in bekannten Hollywood-Filmen, die für sich beanspruchen, auf einer wahren Geschichte zu beruhen.

Boston (2017)

„Boston“ ist die Verfilmung des Terroranschlags auf den Boston-Marathon am Patriots Day 2013.  Die Ereignisse wurden im Film vergleichsweise authentisch dargestellt, teilweise arbeitet Regisseur Peter Berg auch mit echtem Filmmaterial. Berg nimmt es mit der Wahrheit allerdings nicht ganz so genau.

Die meisten der Figuren haben zwar eine Entsprechung in der Realität, die Hauptfigur des Polizisten Tommy Saunders (Mark Wahlberg) ist jedoch komplett erfunden. Schade, denn an wahren Helden dieses Tages hätte es wirklich eine große Auswahl gegeben. Und auch Katharine Russell, die Witwe des Attentäters Tamerlan Tsarnaev, kritisierte, der Film würde ihr eine Mittäterschaft unterstellen.

The Imitation Game (2014)

„The Imitation Game“ ist neben Enigma– Das Geheimnis eine weitere Filmbiografie über den britischen Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing. Berühmtheit erlangte er durch die Entwicklung einer Decodier-Maschine, die den Enigma Code knackte. Die Maschine erhielt aber nicht – wie im Film – den Namen von Turings Jugendliebe Christopher, sondern wurde unter dem Namen Turing-Bombe bekannt. Hinzugedichtet wurde auch der Ermittler Robert Knock, den im realen Leben nie gab. Auch die Beziehung zu Joan Clarke (Keira Knightley) wurde im Film stark übertrieben dargestellt.

Die britische Historikerin Alex von Tunzelmann wirft dem Film zudem  „üble Nachrede“ und Falschdarstellungen vor – insbesondere in Hinblick auf John Cairncross als Spion der UdSSR in Turings Team in Bletchley Park. Der Turing-Biograf Andrew Hodges hält es ebenfalls für „aberwitzig“, dass Turing und Cairncross unter den vorherrschenden Arbeits- und Sicherheitsbedingungen in Bletchley Park zusammentrafen. Im Film wird es so dargestellt, als hätte Turing das Geheimnis von Cairncross gekannt, es aber für sich behalten. Im Gegenzug hätte Cairncross die Homosexualität Turings verschwiegen. Damit wird Turing des Landesverrats beschuldigt, da er einen Spion deckt.

Weiters wird auch die Darstellung Turings als autistische Persönlichkeit von Freunden und Angehörigen vehement zurückgewiesen. Sie schildern ihn als kontaktfähig und humorvoll.

Was jedoch leider zur Gänze der Wahrheit entspricht ist Turings Selbstmord, ausgelöst durch eine erzwungene Hormonbehandlung aufgrund seiner Homosexualität und den daraus resultierenden Depressionen.

Pain & Gain (2013)

Der Actionthriller basiert auf der spektakulären Entführung des amerikanischen Unternehmers Marc Schiller im Jahre 1994 und warb auch öffentlich damit, eine wahre Geschichte zu erzählen. Schiller wurde im Süden Floridas von einer Gruppe Bodybuilder, der „Sun Gym Band“, gekidnappt, gefoltert und erpresst. Er überlebte nur knapp und mit schwersten Verletzungen den Mordversuch der Gang.

Die Reaktion Schillers auf den Film war allerdings alles andere als positiv. Gegenüber der NY Daily News erklärte er, dass der Film die damaligen Ereignisse völlig verzerrt darstelle. Er selbst, das Opfer, sei als ein „erbärmlicher, anrüchiger, gemeiner, aggressiver Prahler“ dargestellt worden, was auch sein Leben sehr negativ beeinflussen würde. Wie er dargestellt werde, habe nichts damit zu tun, wer er ist oder war.

 Er klagte nicht nur die Produktionsfirma Paramount Pictures, Regisseur Michael Bay und Mark Wahlberg, sondern veröffentlichte 2013 als Antwort auf den Film zwei  Bücher mit dem Titel „Pain and Gain: The Untold True Story“ und „Pain and Gain: How I Survived and Triumphed“. Der Prozess dauert bis heute an. Diversen Filmkritiken zufolge ist Schillers Kritik durchaus angebracht und das Etikett „basierend auf einer wahren Begebenheit“ nicht zutreffend.

Argo 2012

Im Zuge der Islamischen Revolution im Iran wurden am 4. November 1979 mehr als 60 Amerikaner bei der Stürmung der amerikanischen Botschaft in Geiselhaft genommen. Sechs Diplomaten konnten flüchten und wurden in einer geheimen Rettungsaktion aus dem Land herausgeschleust. Argo thematisiert die Ereignisse rund um diese sechs Diplomaten.

Im Film werden natürlich die Amerikaner als die Helden der Rettungsaktion dargestellt, was allerdings ganz und gar nicht der Realität entspricht. Der wahre Held war der kanadische Botschafter Ken Taylor. Zudem stammte der Rettungsplan zur Befreiung der Geiseln fast gänzlich von Kanada und nicht vom amerikanischen CIA. Sogar der damalige US-Präsident Jimmy Carter erklärte, dass 90 Prozent des Plans zur Befreiung der Geiseln im Iran auf Beiträgen und Ideen Kanadas beruhte.

Auch eine ganze Reihe anderer Geschehnisse ist verzerrt dargestellt. So hat es den Vorfall im Basar nie gegeben, auch gab es keine Probleme mit der Flugreservierung und ebenso wenig eine Konfrontation mit Sicherheitsleuten am Flughafen.

The Kings Speech (2010)

Die britische Filmbiografie „The King’s Speech“ ist ein sehr gut gemachter Film, verzerrt die geschichtliche Wahrheit aber aufs Gröbste.  Vor allem die Darstellung von Winston Churchill wurde von Kritikern wie Christopher Hitchens und Isaac Chotier in der Luft zerrissen.

Der Film zeigt Churchill als Unterstützer Georges VI., während er tatsächlich bis zur Abdankung König Georges V.  im Jahre 1936 Georges älteren Bruder Edward VIII. unterstützte.  Und Edward war kein unbeschriebenes Blatt, war er doch bekannt als Nazi-Befürworter, der sogar im Dritten Reich auf Hochzeitsreise ging. Drehbuchautor Seidler räumte in einem Interview dann auch ein, dass die Szene über Churchills Gesinnungswandel zwar gedreht worden sei, dann aber gestrichen wurde, weil sie zu langatmig war.

Auch die Darstellung des britischen Königshauses als Teilnehmer im antifaschistischen Kampf entspricht nicht den wahrheitsgetreuen Tatsachen. Denn  tatsächlich unterstützte das Königshaus eine einlenkende „Appeasement“-Politik gegenüber Hitler. Hitchens sieht in dem Film einen „nachträglich fabrizierten Mythos“ von „Britanniens größter Stunde“, der im Vorfeld von Prinz Williams Hochzeit das royale Image aufmöbeln sollte.

Catch me if you can (2003)

Leonardo di Caprio verkörpert in „Catch me if you can“ den legendären Trickbetrüger Frank Abagnale, der bis zu seiner Festnahme im Alter von 21 Jahren bereits 2,5 Millionen Dollar abcashte.

Während die Geschichte Abagnales im Großen und Ganzen der Wahrheit entspricht, handelt es sich bei FBI Agent Carl Hanratty (Tom Hanks) nicht um eine reale Person. Die Filmfigur Hanratty entstand aus einer  Mischung mehrerer Agents, die  gegen Abagnale ermittelten.

Mehr als suspekt ist vor allem die Toilettenszene gegen Ende des Films. Abagnale flüchtet aus einem VC10 Düsenflugzeug, indem er die Toilette abbaut und durch eine Luke auf die Rollbahn gelangt. Flugzeugtechniker bezeichnen diese Story als Märchen. Denn selbst wenn Abagnale es geschafft hätte, die Toilette abzumontieren, hätte er  sich durch ein 10 Zentimeter-Rohr zwängen müssen.

Das Experiment (2001)

Das Experiment (2001)

Der Film kam ursprünglich mit dem Untertitel „beruht auf einer wahren Begebenheit“ in die Kinos. Das Stanford-Prison-Experiment wurde tatsächlich im Sommer 1971 unter der Leitung von Philip Zimbardo an der Stanford University durchgeführt. Es wurde aus ethischen Gründen nach 6 von 14 geplanten Tagen abgebrochen.

Im Film werden die Wächter als überwiegend sadistisch dargestellt, was im realen Experiment in diesem Ausmaß nicht der Fall war. Dort zeigten „nur“ ein Drittel der Wärter offenes sadistisches Verhalten. Auch gab es keine Toten, wie es im Film dargestellt wurde. Nach einer Klage Zimbardos, wurde der Untertitel daher nicht mehr weitergeführt.

A Beautiful Mind (2001)

A Beautiful Mind ist die Verfilmung der Lebensgeschichte des bekannten Mathematikers und Nobelpreisträgers John Forbes Nash nach der Biographie von Sylvia Nasar. Regisseur Ron Howard hat allerdings die wahre Geschichte etwas an die Vorstellungen Hollywoods angepasst.

Zunächst einmal hat Nash nie für das Pentagon gearbeitet und er hat auch nie im Wheeler Laboratory am MIT gearbeitet – das hat nämlich nie existiert. Er wird im Film als Familienvater dargestellt, hatte in Wirklichkeit aber ein uneheliches Kind und verließ die Mutter, um Alicia Larde zu heiraten. Die Ehe wurde nach sechs Jahren geschieden und erst 2001 heirateten die beiden wieder. Kurz gesagt, die Verfilmung stimmt lediglich in Eckpunkten mit Nashs Biographie überein, viele Einzelheiten sind frei erfunden.

Der Patriot (2000)

Der „historische“ Kriegsfilm Roland Emmerichs über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg enthält zu viele Fehler, als dass man ihn hier unerwähnt lassen könnte.

Die Figur des rechtschaffenen Familienvater Benjamin Martin (Mel Gibson) wurde dem Milizenführer Francis Marion nachempfunden. Während Martin im Film zum Revolutionshelden avanciert, offenbart die historische Realität eine andere Wahrheit über Marion – nur so zum Spaß Cherokee-Indianer zu töten und regelmäßig Sklaven zu vergewaltigen, fällt wohl eher unter die Kategorie Kriegsverbrecher.

Auch der Vorfall, bei dem britische Soldaten Frauen und Kinder in eine Kirche pferchen und diese anzünden, fand in Wahrheit nie statt.

Generell blendet der Film die Thematik der Sklaverei komplett aus.  So prangerte auch der afroamerikanische Regisseur Spike Lee die geschichtliche Vereinfachung des Films an, ebenso wie die zynisch-naive Darstellung der Rassenproblematik. Der Patriot sei pure, eklatante amerikanische Hollywood-Propaganda und eine komplette Beschönigung der Geschichte, so Spike Lee.

 

 

 

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