Kinokunst auf höchstem Niveau

02.12.2020
Jean-Luc Godard - Sympahty for a Devil - Rolling Stones
© 1968 BFI. All Rights Reserved.

Regie-Legende Jean-Luc Godard wird am 3. Dezember 90 Jahre alt

Der Mann geht kaum aus dem Haus. Seit den 80er Jahren lebt Jean-Luc Godard zurückgezogen am Genfer See und spricht mit kaum jemandem. Nicht mit den Journalisten, den Kameraleuten, nicht mit den Festival-Organisatoren. Godard spricht alleine durch seine Filme, die er immer noch – mit 90 Jahren – in schöner Regelmäßigkeit auf die Welt loslässt.

Der Godard von heute ist keineswegs mit dem Godard von früher zu vergleichen. Überhaupt lässt sich dieser Ausnahmeregisseur gar nicht klassifizieren. Er gilt als Mitbegründer der Nouvelle Vague, soviel ist sicher. Schließlich hat sein Film „A bout de souffle“ („Außer Atem“) 1960 diese Filmströmung überhaupt erst „erfunden“. Aber festgelegt darauf hat er sich nie. Schnell erfand sich Godard immer wieder neu, seine Stile gingen neue Wege, er mixte dem Erzählkino jede Menge Avantgarde bei, bis am Ende nur mehr das Experimentelle zählte: Seine letzten Filme sind allesamt Bilderräusche, sie enthalten Botschaften, aber keine Handlung mehr. Sie sind Kinokunstwerke, keine Unterhaltung. Sie fordern heraus und sie strengen an.

Jean-Luc Godard - Sympahty for a Devil - Rolling Stones
© 1968 BFI. All Rights Reserved.

Wie alles begann …

Godard legte mit linearen Erzählungen los: „Außer Atem“ war eine Gangstergeschichte um eine junge Amerikanerin (Jean Seberg) und einen Herumtreiber (Jean-Paul Belmondo), sein Film „Die Verachtung“ (1963) über einen Drehbuchautor mit Brigitte Bardot und Michel Piccoli ergaben einen faszinierenden Einblick in die Welt des Kinos (mit einem wunderbaren Auftritt von Regie-Legende Fritz Lang, der sich darin selbst spielte).

Ab Mitte der 1960er-Jahre bricht Godard in Filmen wie „Weekend“ und „Die Chinesin“ immer häufiger die Erzählstrukturen auf. Seine Geschichten werden fragmentarischer, die Handlungsebenen verschwimmen zusehends. Seine Phase der totalen Abkehr von gängigen Gestaltungsformen läutete er mit „Die fröhliche Wissenschaft“ ein. In dem gestalterischen und gedanklichen Kinoexperiment treffen sich Emile Rousseau, ein Nachfahre des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau, und die Tochter eines ermordeten kongolesischen Freiheitskämpfers. Sie diskutieren über die Unterdrückung der Gesellschaft und den Sinn von Bildern und Worten. Der Film wurde in der Zeit kurz vor den Studentenunruhen in Frankreich im Mai 1968 gedreht. Ab diesem Zeitpunkt bezeichnete Godard seine Filme auch nicht mehr als Filme, sondern als „Bilder und Töne“. 1990 greift Godard mit „Nouvelle Vague“ und Alain Delon in der Hauptrolle  nochmals Bezüge zu seinen filmischen Wurzeln auf. Danach werden seine Filme immer kollagenhafter und beinhalten Themen wie Krieg, Mord und Gesellschaftsfragen. Filme wie „Film socialisme“ oder „Adieu au langage“ verstehen sich mehr als Essays denn als Filme, und für seinen bislang letzten Film „Bildbuch“ erhielt Godard 2018 eine Sonderpalme beim Filmfestival in Cannes. Abgeholt hat er sie sich allerdings nicht. Wegen eines schnöden Preises würde Godard seinen Sitz am Genfer See keinesfalls verlassen.

Hier noch weitere Jean-Luc Godard Filme für euch:
The Rolling Stones – Sympathy for the Devil
Augenblicke: Gesichter einer Reise

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