Meilensteine der Filmgeschichte

12.04.2019
Meilensteine der Filmgeschichte
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Visionäre Regisseure und technische Errungenschaften – sie sind treibende Kräfte unserer Filmgeschichte. Gemeinsam brechen sie Regeln und überschreiten Grenzen. Wir stellen euch heute Filme vor, die die Branche und das Medium Film nachhaltig verändert haben. Die Reise geht dabei von Panzerkreuzer Potemkin bis Avatar – Aufbruch nach Pandora. Lasst euch überraschen! Wenn wir aus eurer Sicht einen einflussreichen Film vergessen haben, schreibt uns doch einen Kommentar.

Panzerkreuzer Potemkin (1925): Grauen ohne Worte

Filmgeschichte bedeutet Zeitreise. Doch wir überspringen die ersten Schritte der Laterna Magica um gleich bei den Filmen selbst einzusteigen, direkt in der Stummfilm-Ära. Ihr wisst, was das heißt: Schwarz-Weiß-Bilder ohne Ton. Und dennoch war dieser Klassiker tonangebend: Panzerkreuzer Potemkin. Ein russischer Revolutions-Film wurde zum ikonischen Vorbild der Filmmontage. Doch was war daran so genial?

Die Treppenszene in Odessa zeigt ein Massaker der Armee des russischen Zaren 1905 gegen das revoltierende Volk. Ohne Ton schaffte diese Szene eine enorme emotionale Dichte. Regisseur Sergei Eisenstein zeigt uns eine die Treppen herabströmende Menschenmasse, gejagt von den Gewehrkugeln mordender Soldaten. Die hektische Bewegung untersetzt Eisenstein effektiv mit Einzelschicksalen: einer Mutter, die den Sohn verliert oder ein Kinderwagen der ohne Kontrolle die Treppen hinunterpoltert. Panzerkreuzer Potemkin erweiterte damit den Horizont für Schnitt und Filmmontage – und wurde deshalb legendär. Hier die Szene:

Schneewittchen (1937): Disney riskiert alles

Niemand hat es für möglich gehalten: ein Animationsfilm sollte in Spielfilmlänge im Kino laufen? Mit Farbe und Ton? Im Jahr 1937 lehnte sich Walt Disney ordentlich weit aus dem Fenster und brachte Schneewittchen und die sieben Zwerge in die Kinos. Das Risiko war enorm: denn die Produktion hatte nahezu vier Jahre und 1,7 Millionen Dollar verschlungen – damals eine astronomische Summe. Der Schaden wäre bei einem Flop immens gewesen.

Doch das Publikum liebte den Film. Disney erhielt für das Meisterwerk sogar einen Oscar. Der Clou dabei: erstmals wurden echte Menschen als Vorlagen für die Zeichentrickfiguren verwendet. Von nun an stand dem Animationsfilm nichts mehr im Wege. Walt Disney hatte Cartoons aus dem Comic auf die Leinwand gebracht – und es sollte ihn noch weitaus reicher machen, als er bereits war.

Citizen Kane (1941): Ein Genie in Hollywood

Es war die Blütezeit Hollywoods: vom ersten Tonfilm (Der Jazzsänger, 1927) bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Und mittendrin entstand Citizen Kane. Eine Produktion, die bis heute vielfach als bester Film der Welt gefeiert wird. Das Genie hinter dem Werk hieß Orson Welles und wurde in Hollywood als Wunderkind gefeiert. Der 25-Jährige agierte als Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller!

Dabei erweiterte das Spektrum des Filmhandwerks um zahlreiche Techniken. Eine davon ist der sogenannte Deep Focus. Dabei sind Vorder-, Mittel- und Hintergrund des Bildes gleichermaßen scharf, was eine unwirkliche, fast surreale Atmosphäre schafft. Wie in dieser Szene: während die Eltern von Charles Kane über seine Abreise verhandeln, bleibt selbiger im Hintergrund im Fokus.

Psycho (1960): Horror und Tabu

Alfred Hitchcock brach mit Psycho eine Reihe von gesellschaftlichen und filmischen Tabus. Gleich in der ersten Szene hat die weibliche Hauptperson Marion Crane eine Mittagspausen-Affäre – skandalös. Dass selbige Hauptperson bereits nach einem Drittel des Filmes stirbt, war ein weiterer Schock. Der Mord in der Dusche schließlich macht Psycho bis heute zu einem Meilenstein der Filmgeschichte.

In nur drei Minuten verwendet Hitchcock über 50 Schnitte. Das Ergebnis: erst enorme Spannung und schließlich blanker Horror. Kein Wunder, dass Psycho eine ganze Welle an Horror- und Slasher-Filmen auslöste. Von nun wurde die Psyche des Menschen mit technischer Finesse bearbeitet. Dabei kommt die Wirkung des Filmes mit nur zwei Gewaltszenen aus. Der Rest entstand im Kopf der Zuschauer. Hier die Szene – das Blut ist Schokoladensirup:

2001 A Space Odyssey (1968): Star Wars‘ großer Bruder

Billige Monster und ein vorhersehbarer Plot, das waren bisher der Inhalt von Sci-Fi Movies. Doch im Jahr 1968 sollte ein Film das ganze Genre neu erfinden : 2001 A Space Odyssey von Stanley Kubrick. Der Film bot monumentale Weltraumaufnahmen unterlegt mit feiner klassischer Musik und psychodelischen Lichteffekten. Obendrein wurde erstmals das Thema künstliche Intelligenz seriös behandelt. Sind KIs bedrohlich? Sind sie dem Menschen überlegen? In dieser berühmten Szene heißt es Mensch gegen Maschine:

Ab jetzt musste Science-Fiction ernst genommen werden. Und die Ära des Weltraum-Genres begann: Silent Running entstand 1972, Star Wars folgte 1977.

Den ersten Sci-Fi-Film von 1902 sollte jeder kennen: A Trip to the Moon.

Heaven’s Gate (1980): Ein sensationeller Flop

Dieser Film war so schlecht, dass er für sein Scheitern berühmt wurde. Als beispielhaftes Desaster beendete er im Alleingang die amerikanische Strömung der „Neuen Welle“ – der Blütezeit unabhängiger Filmemacher. Regisseur Michael Cimino hatte sich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Denn er versuchte so krampfhaft eine Vorreiterrolle einzunehmen, dass er kläglich scheiterte. Dabei hatte Cimino zuletzt mit The Deer Hunter die wichtigsten Oscar-Kategorien (Bester Film und Beste Regie) für sich entscheiden können.

Das Problem: der Film war langatmig und überdetailliert, obendrein war er schlecht gecastet. Von einem exorbitanten Budget von 44 Millionen Dollar spielte der Streifen gerade einmal 1,5 Millionen wieder ein. Der Film gewann mehrere Goldene Himbeeren – der internationale Preis für Filmtiefpunkte. Berühmt wurde die Kritik des New York Times Journalisten Vincent Canby: „Der Film scheiterte so komplett, man muss vermuten Mr. Cimino hat seine Seele verkauft für den Erfolg von The Deer Hunter und jetzt ist der Teufel gekommen, um sie zu holen“.

Jurassic Park (1993): Die CGI-Dinos

Bessere Technologie, neue Visionen: im Film Jurassic Park erweckt Milliardär Jon Hammond echte Dinosaurier zum Leben. Das gleiche gelang Steven Spielberg: mit neuester Technologie ließ er Dinosaurier im Jahr 1993 erstmals über die Leinwand laufen. CGI, auf deutsch: Computererzeugte-Bilder, wurden zu diesem Zeitpunkt bereits regelmäßig verwendet, doch nie in solcher Dimension. In der berühmten Klo-Szene tritt das erste computeranimierte Stunt-Double der Filmgeschichte auf, neben dem T-Rex:

Avatar (2009): CGI sprengt Vorstellungskraft

Den endgültige Siegeszug der CGI feierte Avatar – Aufbruch nach Pandora. Im Einsatz die damals neueste Filmtechnologie: 3D. Schon lange hatte Regisseur James Cameron den Plot im Kopf, 2009 war die Technik so weit. Von den 162 Minuten Laufzeit sind 60 Prozent computeranimiert. Besonders die außerirdischen Na‘vi waren eine Herausforderung. Schließlich mussten menschliche Gesichter zu übermenschlichen blauen Aliens transferiert werden. Dafür steckte man die Schauspieler in spezielle Overalls. Rund 140 Kameras überwachten und transferierten dann jegliche Körperbewegungen.

Nach vier Jahren Produktion war es soweit: Avatar – Aufbruch nach Pandora kam in die Kinos. Der zweite Teil soll nächstes Jahr, 2020, folgen – man kann gespannt bleiben, was Cameron in elf Jahren alles eingefallen ist. Hier seht ihr die atemberaubende Technologie hinter den Na‘vi:

Die Zeitreise ist zu Ende. Fürs erste, denn die nächsten Jahre werden sicherlich neue Meisterwerke hervorbringen. Technische Errungenschaften wie virtuelle Realität könnten uns bald in ungeahnte Welten eintauchen lassen – es bleibt gespannt abzuwarten.

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