Oscar-Nebenkategorien – Was sie bedeuten und warum sie so wichtig sind.

19.02.2018
Oscar-Nebenkategorien Was sie bedeuten und warum sie so wichtig sind.

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Wir alle haben die „Big Five“ im Kopf, wenn wir an die Oscars denken: Bester Film, Beste Regie, Bester Schauspieler/Beste Schauspielerin und Bestes Drehbuch. Aber wofür gibt‘s eigentlich die 19 (!) anderen Oscar-Kategorien? Sound Editing, Production Design und Kamera fallen uns z.B. meistens nicht auf – und zählen doch zu den mächtigsten Werkzeugen, mit denen Filmemacher unsere Gefühle steuern. Ohne sie würden Filme wie Inception, Dunkirk oder Der Pate alt aussehen. Wir stellen euch die wichtigsten Oscar-Nebenkategorien vor – und klären dabei so manches Missverständnis.

Sound Editing: Wie brüllt eigentlich ein Drache?

Wer entscheidet, wie ein Batmobil klingen soll? Oder das Brüllen eines Drachen, wie in Der Hobbit? Das ist der Job des Sound Editors (Klangregisseur). Er spielt perfekt auf der Klaviatur unserer Hörgewohnheiten und Gefühle. Besonders wichtig dabei ist das Sound-Department, das von ihm koordiniert wird. Hier werden die Klänge und Geräusche des Films hergestellt – und zwar meistens noch ganz und gar analog. In Inception gibt es eine starke Szene, in der Ariadne (Allen Page) merkt, dass sie sich in einem Traum befindet. Plötzlich zerspringt die ganze Umgebung in Zeitlupe in kleinste Partikel. Man hört ein fast surreales Sausen und Pfeifen, das unter die Haut geht. Die Bildeffekte sind natürlich allesamt digital. Anders der Sound: Für die Geräuschkulisse wurden Kieselsteine und Schutt durch ein Gewehr auf Metalloberflächen geschossen, zusätzlich wurde das Heulen eines Schneemobils verwendet. Die Anweisung der Regie lautete, beim Kinogänger Unruhe auszulösen – schaut mal rein und entscheidet selbst, ob der Sound Editor seinen Job gut gemacht hat.

Sound Mixing: Donner oder Dialog?

Das Sound Mixing (Tonmischung) beschäftigt sich mit den drei Arten von Ton im Film: Dialog, Effekt und Musik. Sound Mixing ist nun der Balanceakt, der alle drei abstimmt. Und das ist eine Kunst für sich. In Kriegsszenen passiert z.B. extrem viel gleichzeitig: Schreie, Explosionen, gebrüllte Befehle und vielleicht das Wimmern eines einzelnen Soldaten. Aufgabe des Sound Mixers ist es, diese Quellen ausgewogen zusammenspielen zu lassen. Legt er mehr Wert auf das Dröhnen eines nahenden Bombers oder doch auf den Pulsschlag eines Soldaten? Und wie stark soll die Musik dabei sein? Dieses Jahr ist das Weltkriegsdrama Dunkirk für den Oscar in der Kategorie Sound Mixing nominiert. Achtet doch mal bei folgendem Ausschnitt auf das Zusammenspiel von Geräuschkulisse und Musik – und wie die dramatische Grundstimmung dadurch angeheizt wird. Wer Lust hat, sich noch genauer mit den Techniken der Spannungserzeugung bei Dunkirk auseinanderzusetzen, kann sich ja mal dieses Video anschauen.

Beste Kamera: Die Macht der Bilder

Zwei Oscar-Kategorien beschäftigen sich ausschließlich mit der Bildgestaltung im Film: der Oscar für die Beste Kamera (Best Cinematography) und der für den Besten Schnitt (Film Editing). Die zwei wirken wie ganz unabhängige Kategorien, sind aber eng miteinander verbunden. Wir alle kennen und lieben z.B. den Mafia-Boss Don Corleone (Marlon Brando) aus dem Klassiker Der Pate. Sein Charakter ist unnahbar und berechnend – einen ganz entscheidenden Anteil daran hatte die Lichtsetzung, die auch in den Aufgabenbereich des Kameramanns gehört. Anstatt, wie üblich, das Gesicht des Protagonisten gut auszuleuchten, ließ Kameramann Gordon Willis in einer Schlüsselszene die Augen des Paten bewusst im Schatten. Besser kann man das „Undurchsichtige“ des Mafia-Bosses nicht zeigen. Überzeugt euch in diesem Video selbst. Neben der Bildeinstellung, Licht- und Schattensetzung ist der Kameramann auch für die Fahrten bzw. „Flüge“ der Kamera u.v.m. zuständig. Mit Mudbound ist dieses Jahr übrigens erstmals eine Frau – Rachel Morrison – in der Kategorie Best Cinematography/Beste Kamera nominiert.

Bester Schnitt: Mikro-Dramaturgie

Die Abfolge der Szenen ist im Drehbuch festgelegt – nicht aber, bei welchem Bild exakt auf die nächste Szene geschnitten wird. Das genau ist die Aufgabe des Schnittmeisters (Film Editor). Und dabei geht es nicht nur um „schöne“ Übergänge, sondern vor allem um Spannung. Der Film Editor entscheidet, wann und wie lange wir was sehen. Ein meisterhaftes Beispiel finden wir in Hitchcocks Thriller Psycho. Die Dusch-Szene, in der Marion Crane (Janet Leigh) erstochen wird, hat Filmgeschichte geschrieben. In nur 45 Sekunden sehen wir 52 Schnitte! Obwohl wir bei der Messerattacke keine einzige Stichwunde sehen, entsteht hier ein Spannungsklimax sondergleichen. Und das alles „nur“ durch die blitzschnelle und perfekt komponierte Schnittfolge. Damit kontrolliert der Film Editor nicht nur Geschwindigkeit des Films – sondern nicht selten auch den Herzschlag der Zuschauer.

Bestes Szenenbild: Mad Max Mobile

Wer glaubt, bei Production Design (Szenenbild) geht es nur um nette Hintergründe, sollte sich den Gewinner des letzten Jahres anschauen: Mad Max Fury Road. Der Film wurde in der eindrucksvoll öden Wüste von Namibia gedreht. In dieser apokalyptischen Welt spielen wahnwitzig aufgemotzte Autos eine Schlüsselrolle – von Straßenkreuzern über Jeeps und SUVs s bis hin zu Panzerwägen. Insgesamt 150 Fahrzeuge kamen im Film zum Einsatz, für deren Bau wurden die Teile von 350 Autos zusammengeschmiedet. Und hier hat das Production Design Department ganze Arbeit geleistet: „Sie hatten Namen“, sagte Szenebildner Colin Gibson im Interview über die Wagen. Hier einige imposante Szenen plus einem Blick hinter die Kulissen von Mad Max Fury Road. 2018 sind unter anderem Dunkirk und Blade Runner 2049 in dieser Kategorie nominiert.

Kostümdesign: Mehr als Rüschen & Raumanzüge

Nicht um hübsche Kleider geht’s in der Kategorie Best Costume Design (Kostümdesign). Denn Kleider erzählen auch Geschichten: Im Blockbuster Jurassic World trägt die Leiterin des Dino-Parks, Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), zu Beginn des Filmes ein weißes Kostüm, das ihre Distanz zum Dschungel verdeutlicht, aber auch ihren spießigen Charakter. Im Laufe des Films macht ihr Kostüm, parallel zur Charakter-Entwicklung, eine Veränderung durch – beide werden pragmatischer und natürlicher. Hier den richtigen Stil zu finden, ist der Job des Kostümdesigners. Und den hat Design-Altmeister Daniel Orlandi in diesem Fall bravourös erfüllt.

Ursprünglich war Costume Design Teil des Production Design (Szenenbild), seit 1948 ist es eine eigene Oscar-Kategorie. Seither gewinnen meist historische Filme – wenn man Fantasy und Science Fiction auch als eine Form Historienfilm sieht. Neben Marie Antoinette und Anna Karenina zählen deshalb auch das Harry Potter Sequel Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind und Mad Max Fury Road zu den Gewinnern der letzten Jahre.

 

Übrigens: Wusstet ihr, dass Eminem auch einen Oscar gewonnen hat? Für seinen Song Lose Yourself im Film 8 Mile staubte er den Academy Award für den Besten Song ab. Eine der vielen Kategorien, die es noch da draußen gibt. Von denen erzählen wir euch vielleicht ein anderes Mal mehr. Bis dahin: Haltet Augen und Ohren offen, vielleicht bemerkt ihr ja beim nächsten Kinobesuch ein paar Tricks der Filmemacher.

 

 

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