Synchronsprecher: Die deutschen Stimmen von De Niro & Co.

03.04.2018
Synchronsprecher: Die deutschen Stimmen von De Niro & Co.

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Sprüche wie Bruce Willis‘ „Yippie-ya-yeah, Schweinebacke“ aus Stirb Langsam genießen Kultstatus. Aber wer schenkt US Top-Schauspielern wie Jack Nicholson, Robert De Niro, Jodie Foster oder Woody Allen eigentlich die deutsche Stimme? Und wieso klingen z.B. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone hierzulande so verdammt ähnlich?

Wir stellen euch die markantesten deutschen Synchronsprecherinnen und –sprecher vor. Außerdem schauen wir uns an, wer hinter ikonischen Stimmern wie Homer Simpson steckt, was passiert, wenn Synchronsprecher sterben und wie es zur Trennung zwischen Woody Allen und seinem Sprecher Wolfgang Draeger gekommen ist.

Die Fröhlichs: Gollum, Norton, Diaz & Co.

„Mheein Schatzz“ krächzt nur einer so unvergesslich: Andreas Fröhlich. Um die spezielle Stimme von Gollum und Smeagold in der Trilogie Der Herr der Ringe zu erschaffen, hat sich Fröhlich beinahe die Stimmbänder ruiniert. Taucht doch in diesem Video mal in die hohe Kunst des Synchronsprechens ein, wenn zwischen Gollum und Smeagol ein Streit entbrennt.

Wenn ihr euch schon mal gefragt habt, warum Edward Norton und John Cusack so ähnlich klingen – nun, Fröhlich ist die deutsche Feststimme beider Stars. Ohne ihn wäre z.B. Fight Club auf Deutsch nicht mehr vorstellbar. Hört euch mal den Schlussdialog mit einem ziemlich ramponierten Edward Norton an. Auch Fröhlichs jüngere Schwester Katrin ist mittlerweile sehr erfolgreich im Synchron-Geschäft – als Fixstimme von Gwyneth Paltrow und seit Verrückt nach Mary auch von Cameron Diaz. Hier die legendäre „Ist das Haargel?“-Szene mit Ben Stiller.

Wolfgang Draeger: Der deutsche Woody Allen

haben. Fast 50 Jahre lang hat Draeger den Regisseur und Schauspieler deutsch synchronisiert. Und wie in jeder länger andauernden Beziehung, gab es auch hier einige Auf und Abs. Für den Film To Rome with Love wurde Draeger kurzerhand gefeuert, die Begründung: seine Stimme klinge zu alt. Ersetzt wurde er durch Freimut Götsch.

Für Fans war der Wechsel ein schwerer Schlag. Noch einmal sprach Draeger danach Woody Allen, und zwar 2013 im Film Plötzlich Gigolo. Seit 2016 synchronisiert wieder Götsch. Hier hört ihr noch einmal „das Original“ Wolfgang Draeger im Film Mach’s noch einmal Sam.

Ulrike Stürzbecher: Kate Winslet & Jennifer Aniston

Für ihre Leistung als deutsche Stimme für Kate Winslet in Titanic hat Stürzbecher 1998 die Ehrennadel der Goldenen Leinwand gewonnen. Hier eine dramatische Szene aus dem Film mit Leonardo de Caprio.

Es folgte der Deutsche Preis für Synchron sowie der Zuhörerpreis Die Silhouette für die Stimme von Winslet in der Rolle der Hanna Schmitz in Der Vorleser. Außerdem ist Stürzbecher die Standardstimme von Jennifer Aniston und „Dr. Meredith Grey“, also Ellen Pompeo, bekannt und beliebt aus der Ärzteserie Grey’s Anatomy.

Christian Brückner: 60 Mal De Niro

„Du laberst mich an?“ – die Szene aus Taxi Driver, in der Robert de Niro als Travis Bickle sein Spiegelbild anpöbelt, ist legendär. Christian Brückner hat sie eingesprochen und ist seit Der Pate II (1974) die deutsche Fixstimme für Robert De Niro. Mit einigen wenigen Ausnahmen synchronisierte er den zweifachen Oscarpreisträger in über 60 Filmen.

Darüber hinaus lieh er seine Stimme Hollywood-Größen wie Martin Sheen (Apocalypse Now), Peter Fonda, Harvey Keitel, Robert Redford, Dennis Hopper u.v.a. Sein festes und sicheres Timbre kennt man außerdem aus diversen Dokus wie z.B. Hitlers Helfer, Die Wehrmacht – eine Bilanz und Der Jahrhundertkrieg.

Christoph Jablonka: „Unser“ Homer

Bei wem klingt nicht ein lautes „Neein“ an, wenn er an Homer Simpson denkt? Die Simpsons laufen bereits länger als jede andere US-Zeichentrickserie. Da ist es verständlich, wenn Springfields Einwohner ihre Synchronsprecher überleben. Nachdem Homer-Sprecher Norbert Gastell 2015 im Alter von 86 Jahren gestorben war, trat Christoph Jablonka ein schweres Erbe an. Die Fans waren jedoch begeistert. Angelehnt an seinen Vorgänger, erfüllt Jablonka die Erwartungen vollauf – hört selbst.

Marges „neuer“ Stimme, Anke Engelke, ist dagegen deutlicher Missmut entgegengeschlagen. Engelke richtet sich mehr nach dem amerikanischen Vorbild, was für viele ungewohnt klang. Nach mittlerweile elf Jahren haben sich aber auch hartgesottene Fans an die „Marge Engelke“ gewöhnt.

Wie die Simpsons in anderen Ländern klingen, hört ihr in diesem kurzen Video.

Claudia Urbschat-Mingues: Angelina Jolie und die Tagesschau

Mit 853 Sprechrollen ist Claudia Urbschat-Mingues eine der meistgefragten Stimmen im Geschäft. Man kennt sie als Angelina Jolie (hier eine Kostprobe aus The Tourist), Maria Bello, Rosario Dawson und Jennifer Connelly und als Nilpferd Gloria aus Madagascar.

Sogar als Bond-Girl Denise Richards ist sie zu hören – in Die Welt ist nicht genug. Eine ganz andere Rolle spielt sie im deutschen ZDF. Hier spricht sie nämlich die bekannte Einleitung: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“.

Manfred Lehmann: Bruce Willis und Gérard Depardieu

Star-Synchronsprecher Lehmann vertont Bruce Willis, Gérard Depardieu und Kurt Russell. Bruce Willis bereits 31 Mal, Depardieu in über 80 Filmen. In diesem Interview erzählt er von der Zusammenarbeit mit dem deutschen Schauspieler Klaus Kinski, und davon, dass Gérard Depardieu seine anspruchsvollste Stimme ist – schaut doch mal rein.

Nachdem Lehmann den Synchronjob für Bruce Willis in Stirb Langsam: Jetzt erst recht ausgeschlagen hatte, weil er gerade auf Bali drehte, ist sein Kollege Thomas Danneberg für ihn eingesprungen. Wer Lehmanns legendäres „Yippie-ya-yeh, Schweinebacke“ samt den besten Szenen aus seinen Synchron-Filmen sehen möchte, sollte mal hier reinschauen.

Thomas Danneberg: Schwarzenegger trifft Stallone

Als Synchron-Selbstgespräch könnte man Thomas Danneberg Leistung in The Expendables bezeichnen. Er spricht sowohl Sylvester Stallone als auch Arnold Schwarzenegger. Wie es klingt, wenn beide in einem Raum sind, hört ihr hier.

Danneberg ist aber auch aus vielen weiteren Rollen bekannt. Darunter Terence Hill, John Travolta und John Cleese. Für den Komiker Cleese verstellt er seine Stimme deutlich, hört doch mal in die urwitzige Steinigungsszene aus Monty Pythons Klassiker Das Leben des Brian rein.

Hansi Jochmann: Jodie Foster seit Taxi Driver

Wann immer Jodie Foster in deutschen Kinos den Mund öffnet, hören wir Hansi Jochmann. Fosters Standardstimme ist sie bereits seit 1976. Damals synchronisierte sie Foster alias Iris Steensma, eine minderjährige Prostituierte, in Taxi Driver.

Die heute 65-jährige spricht sogar Fosters Gastauftritt bei den Simpsons. In diesem Interview erzählt sie, wie sie bereits im Alter von sechs Jahren mit dem Synchronisieren begonnen hat.

Joachim Kerzel: Hopkins, Nicholson, Hoffmann & Co.

„Den müsste man im Original lassen“, sagt Joachim Kerzel über Anthony Hopkins, den er als fixer Synchronsprecher vertont. Wir sind der Meinung, dass Kerzel einen formidablen Job macht – und das nicht nur bei Hopkins. Bei Kerzel schwingt ein unberechenbarer Unterton mit, wenn er Jack Nicholson spielt, und eine etwas naiver, wenn er Jean Reno in Léon – Der Profi seine Stimme leiht, aber hört selbst.

Daneben besetzt er Rollen wie Dustin Hoffman und Harvey Keitel. 2003 hat Kerzel den Deutschen Preis für Synchronisation für seine Leistung als Jack Nicholsons deutsche Stimme in About Schmidt gewonnen. Kerzel hat bereits über 1.000 Sprechrollen vertont. Wenn ihr The Departed – Unter Feinden übrigens nicht schon lange gesehen habt, dann holt das jetzt nach, hier schon mal der Trailer zum Einstimmen:

Wer von euch übrigens selbst Synchronsprecher werden möchte, sollte ein Schauspielstudium einschlagen. Alle hier versammelten, haben auf diesem Weg gelernt, ihre Stimme so bunt einzusetzen.

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