Der Bechdel-Test: Wie Frauen in Filmen dargestellt werden

16.05.2016

Foto: Bechdel-Test

Wer sich schon einmal mit der Rolle von Frauen in Spielfilmen auseinandergesetzt hat, ist vielleicht schon über den Bechdel-Test gestolpert. Worum es darin genau geht und welche bekannten Filme den Test nicht bestanden haben, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag.

Was ist der Bechdel-Test?

Der Bechdel-Test ist weder ein wissenschaftlicher Test, noch sagt er etwas über die Qualität eines Filmes aus. Er wird jedoch herangezogen, um die Präsenz und Stereotypisierung von weiblichen Figuren in Spielfilmen zu beurteilen. Kommen Frauen überhaupt vor? Und werden sie als vollständige Charaktere behandelt oder nur über die Beziehung zu Männern definiert?

Der Bechdel-Test dient also nicht zur Einordnung eines Films als sexistisch oder nicht-sexistisch, es geht lediglich darum, sich Gedanken über die Darstellung von Frauen in Filmen zu machen. Wenn ein Film den Bechdel-Test nicht besteht, bedeutet das daher auch nicht, dass der Film schlecht oder frauenfeindlich ist.

Die Kriterien des Bechdel-Test

Der Bechdel-Test entwickelte sich aus einem humoristischen Dialog in dem 1985 erschienenen queeren Comicstrip Dykes To Watch Out For von Alison Bechdel.

Die amerikanische Cartoon-Zeichnerin und Autorin schreibt die ursprüngliche Idee für den Test ihrer Freundin Liz Wallace zu, weshalb der Test auch Bechdel/Wallace-Test genannt wird. In dem genannten Dialog erklärt eine Protagonistin einer anderen, welche drei Kriterien ein Film für sie erfüllen müsse.

Comicstrip Dykes To Watch Out For von Alison Bechdel

Comicstrip Dykes To Watch Out For von Alison Bechdel

Nur Filme, die alle drei Bedingungen erfüllen, haben demnach den Bechdel-Test bestanden:

  1. Es kommen mindestens zwei namentlich genannte Frauen darin vor,
  2. die miteinander reden (keine Einzeiler!)
  3. über mindestens ein anderes Thema als Männer (und wenn es auch nur Gespräche über Schuhe oder das Haustier sind).

Interessantes Detail am Rande: Laut Jennifer Kesler sind diese Überlegungen in Hollywood unerwünscht, denn in amerikanischen Filmschulen werden angehende Drehbuchautoren angehalten, ihre Skripts so zu schreiben, dass sie den Bechdel-Test nicht bestehen. Als Hintergrund dieser Vorgaben wird vermutet, dass Filmemacher sich an ihrem Hauptpublikum (männlich, weiß, heterosexuell) orientieren, von dem sie glauben, dass sie das Interesse an dem Film verlieren, wenn sich Frauen über etwas anderes unterhalten als einen Mann. Mehr dazu in Jennifer Keslers Artikel „Why film schools teach screenwriters not to pass the Bechdel test“.

Erfolgreiche Regisseure im Fokus des Bechdel-Test

Interessant auch der von arte.tv veröffentlichte Test, in dem auch die Filme einzelner Regisseure dem Bechdel-Test unterzogen wurden. Mit jeweils 100 Prozent punkten die Regisseurinnen Jane Campton und Sofia Coppola sowie Regisseur Pedro Almodovar. Martin Scorsese und Stanley Kubrick bilden das Schlusslicht in dieser Aufstellung.

Berühmte Filme, die den Bechdel-Test nicht bestanden haben

Bei weitem nicht alle Filme bestehen den Bechdel-Test. So einfach der Test auch klingen mag, von 2.500 getesteten Filmen bestanden nur die Hälfte den Bechdel-Test. Viele fallen aus Gründen durch, an die man sicherlich nie gedacht hätte. Einige der bekanntesten Filme, die den Bechdel-Test nicht geschafft haben, stellen wir Ihnen hier vor:

1. The Social Network

Keine der Frauen spricht in dem Film mit einer anderen Frau. Die weiblichen Charaktere sind auf eine Rolle reduziert, in der sie entweder von den männlichen Protagonisten ignoriert oder in irgendeinem Badezimmer vernascht werden. Drehbuchautor Aaron Sorkin kommentierte in einem Interview mit Stephen Colbert das Fehlen starker weiblicher Charaktere damit, dass Frauen „Preise“ seien.

2. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2

Keine der weiblichen Charaktere führt eine echte Konversation. Es gibt zwar fachliche Sticheleien, wenn z.B. Prof. McGonagall ihren Kommentar dazu abgibt, wenn Mrs. Weasley die Steinstatue zum Leben erwachen lässt. Es kommt jedoch kein Gespräch zustande. Die weiblichen Protagonistinnen sprechen lediglich mit sich selbst bzw. mit dem Publikum.

3. Avatar

Wie in Harry Potter gibt es bei Avatar kurze Sequenzen, in denen Frauen über einen Einzeiler miteinander kommunizieren, jedoch keine echte Konversation zustandekommt. Ausgenommen in einer Szene, in der Neytiri und ihre Mutter eine Diskussion führen. Das einzige Problem ist hier jedoch, dass es um Jake – einen Mann – geht. Somit ist auch Avatar beim Bechdel Test durchgefallen.

4. Die Original Star Wars Trilogie

In der Original Star Wars Trilogie gab es lediglich drei namentlich genannte weibliche Charaktere mit Sprechrollen: Prinzessin Leia, Tante Beru und Mon Mothma, eine der Anführerinnen der Rebellenarmee. In keinem der drei Filme sprechen diese drei Frauen nur ein einziges Wort miteinander.

Die Prequel Trilogie schaffte den Test teilweise: Padme spricht in Episode I mit Shmi Skywalker und in Episode II mehrfach mit ihren Dienerinnen. In beiden Fällen wird über Dinge gesprochen, in denen es um etwas anderes als einen Mann ging. In Episode III wiederum spricht keine der weiblichen Figuren mit einer anderen.

5. Die gesamte Lord of the Rings Trilogie

Obwohl mit Arwen, Eowyn und Galadriel drei starke weibliche Charaktere im Herr der Ringe zu finden sind, kommt es zu keinem Gespräch, da alle in unterschiedlichen Teilen Mittelerdes leben und sich niemals kennenlernen. Auch zwischen anderen Frauen kommt es erstaunlicherweise während der gesamten 10-Stunden Trilogie zu keinem Gespräch.

6. Lola rennt

Obwohl Lola einer der besten weiblichen Charaktere ist, der in einem Film jemals gezeigt wurde, fiel „Lola rennt“ beim Bechdel-Test aus einem einfachen Grund durch: Lola führt während des gesamten Filmes keine einzige Konversation mit einer anderen Frau. Sie spricht mit ihrem Vater, ihrem Freund, dem Sicherheitsmann bei der Bank, aber in keiner einzigen Sequenz mit einer Frau.

 

 

 

 

 

 

 

 

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