Schwarzweiße Sehnsucht

08.02.2021

Es gibt viele Filme, die wirken erst so richtig, weil sie in Schwarzweiß gedreht wurden. Vom Krimi bis zur Komödie: Hier die subjektive Auswahl von Filmklassikern ohne Farbe.

MANCHE MÖGEN’S HEIß (1959) – Billy Wilder

„Das Interessante an diesem Film war, dass man die Menschen nach der Vorstellung gefragt hat, ob sie gerade einen Schwarzweiß- oder einen Farbfilm gesehen hatten“, erinnert sich Regisseur Billy Wilder. „Und das Verblüffende war: Die meisten meinten, er wäre in Farbe gewesen“. Dabei ist „Manche mögen’s heiß“ mit Marilyn Monroe, Jack Lemmon und Tony Curtis eine der schrillsten und erfolgreichsten Komödien in Schwarzweiß! Die Monroe war hier übrigens in Hochform, als sie einen 2-Seiten-Monolog schon beim ersten Take hinbekam. Weniger glücklich war Wilder mit einer anderen Dialogzeile, die aus nur drei Worten bestand: Diese musste Monroe 59 Mal wiederholen, ehe der Regisseur zufrieden war.

THE ARTIST (2011) –  Michel Hazanavicius

„The Artist“ erzählt von dem Stummfilm-Schauspieler George Valentin (Jean Dujardin), der es mit dem Aufkommen des Tonfilms um 1929 zunehmend schwerer hat, in Hollywood seine Karriere zu erhalten. Den Stummfilm lehnt er ab – und neben ihm wird seine Kollegin Peppy Miller (Bérénice Béjo) zum umjubelten Star der neuen „Talkies“. Wie traurig ist es doch, mitanzusehen, wie sehr Valentin unter den neuen Zeiten leiden muss… Hacanavicius hat mit „The Artist“ einen modernen Stummfilm gemacht, der das Medium nach allen Regeln der Kunst zitiert und unzählige Reminiszenzen enthält.

SCHINDLERS LISTE (1993) – Steven Spielberg

© 1993 Universal City Studios, Inc. and Amblin Entertainment, Inc. All Rights Reserved.

Steven Spielberg beschreibt in „Schindlers Liste“ die Gräueltaten der Nazis gegen die Juden in den KZ Plaszow und Auschwitz und erzählt von Oskar Schindler, einem deutschen Industriellen, der vorerst aus Eigennutz, später aus Überzeugung die Arbeiter seiner Fabrik aus dem KZ befreite. Ganz Schwarzweiß ist dieser Film freilich nicht – in einem Set-up und Pay-off zeigt Spielberg hier exemplarisch unter all den schwarzweißen Menschen ein kleines Mädchen im roten Mantel, das die Räumung des Warschauer Ghettos überlebt – und später auf einem der Leichenberge von Auschwitz wieder auftaucht. Ein emotionaler Schlag in die Magengrube. Spielberg drehte „Schindlers Liste“ und seinen Blockbuster „Jurassic Park“ übrigens parallel zueinander. „Ein unglaubliches Horrorszenario, wenn du tagsüber Dinosaurier animierst und nachts den Holocaust schneiden musst“, erinnert sich der Regisseur.

CASABLANCA (1942) – Michael Curtiz

© 1943 Turner Entertainment Co. All rights reserved.

Kaum ein Film ist bekannter für seine Dialogzeilen als dieser, und das, obwohl viele davon gar nie so gefallen sind, wie man sich heute an sie erinnert. „Schau mir in die Augen, Kleines“, das war der Satz in der deutschen Synchronfassung. Doch Humphrey Bogart sagt in Wahrheit „Here’s looking at you, kid“, und spätere deutsche Fassungen übersetzten das mit „Ich seh dir in die Augen, Kleines“. Auch „Spiel es noch einmal, Sam“, „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen“ und „Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ gehören zu den Sätzen, die in die Filmgeschichte eingegangen sind. Der Austro-Ungar Michael Curtiz erhielt 1943 den Oscar als bester Regisseur. Und „Casablanca“ besticht durch die schwarzweiße Fotografie von Arthur Edeson.

PSYCHO (1960) – Alfred Hitchcock

© 1960 Shamley Productions, Inc. All Rights Reserved.

Wäre es nach Hitchcock gegangen gäbe es bei der berühmten Duschszene in „Psycho“ keinerlei Musik, doch sein Komponist Bernard Herrmann konnte Hitch schließlich davon überzeugen. Klar war für den Meister der Spannung aber immer, dass die Geschichte rund um Norman Bates und das Bates Motel keine Farbe verträgt, wiewohl sie damals bereits groß in Mode war. „Psycho“ sollte, ja musste die Spannung auch aus den kontrastreichen Schwarzweiß-Bildern generieren.

ROCCO UND SEINE BRÜDER (1960) – Lucchino Visconti

Was Roberto Rossellini schon 20 Jahre zuvor begann, brachte Luchino Visconti 1960 in die Spätphase: Der italienische Neorealismus war als Genre längst etabliert, die Geschichten um einfache Leute mit einfachen Geschichten, die aus dem Leben gegriffen waren, galten bei Filmkritik wie Publikum als Höhepunkte der Filmkunst. Hier durfte sich Alain Delon als Rocco Parondi einen Namen als ernsthafter Schauspieler machen, als sensibler und naiver junger Mann, der die Einheit seiner Familie bewahren will. Obwohl Sozialdrama, konnte man hier bereits die epenhafte Gestaltung von Viscontis späteren Dramen erahnen.

ROMA (2018) – Alfonso Cuarón

Der mexikanische Regisseur gewann für die ausladende Schilderung seiner Jugendjahre in den 1970er Jahren im Stadtteil Roma in Mexiko City nicht nur den Goldenen Löwen von Venedig, sondern auch drei Oscars. Cuaróns Erinnerungen kreisen um seine Familie und die Haushälterin, das noble Schwarzweiß vermag dabei sozusagen den Geruch dieser Kindheit spürbar zu machen. „Es ist ein Film über Erinnerung, aber die kann nur aus der Perspektive der Gegenwart existieren“, sagt Cuaron. „Es geht dabei um ein Jetzt, das auf das Gestern zurückblickt. Ich wollte keinen ­nos­talgischen Film machen“.

CITIZEN KANE (1941) – Orson Welles

Orson Welles Filmdebüt „Citizen Kane“ schildert das Leben des fiktiven Medienmoguls Charles Foster Kane, der ganz bewusst an den realen Magnaten William Randolph Hearst angelehnt war. Welles’ innovative Kameraführung und die kontrastreiche Bildsprache trugen dazu bei, dass „Citizen Kane“ bis heute als einer der besten Filme aller Zeiten gilt. Die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs von Herman J. Mankiewicz wurde kürzlich von David Fincher für Netflix verfilmt. In „Mank“ spielt Gary Oldman den Autor, auf dessen Konto die scharfsichtige Erzählung geht.

METROPOLIS (1927) – Fritz Lang

Stellvertretend für viele Klassiker der Stummfilmzeit soll hier mit „Metropolis“ der vielleicht visuell spannendste Film dieser Zeit herausgegriffen werden. Der Film thematisierte eine Zweiklassengesellschaft, und zwischen den Klassen war die Fallhöhe enorm. Das futuristische Setting spielt in einer fernen Zukunft, „Metropolis“ gilt als erster Science-Fiction-Film in Spielfilmlänge. Tricktechnische Neuerungen und viel Experimentierfreude bescherten dem Publikum eine bis dahin im Kino unbekannte Ästhetik.

DIE 12 GESCHWORENEN (1957) – Sidney Lumet

Sidney Lumets Kammerspiel, das im Wesentlichen in nur einem Raum spielt, lauscht der Beratung von 12 Geschworenen, die einen mutmaßlichen Mörder schuldig sprechen sollen. Nur einer der Geschworenen (Henry Fonda) ist anfangs gegen den Schuldspruch, aber es gelingt ihm, die anderen nach und nach umzustimmen. Ein Paradebeispiel, wie Spannung, Schnitt und Bildgestaltung zusammenwirken – und auch hier ist das Schwarzweiß-Material ein dramaturgisches Mittel.

ED WOOD (1994) – Tim Burton

Eine Hommage an den schlechtesten Filmregisseur aller Zeiten, vielleicht der beste Film von Tim Burton, gedreht in jenem Schwarzweiß, in dem Wood auch seine eigenen Monster- und Splattermovies drehte: Ed Wood (Johnny Depp) träumt vom großen Durchbruch als Regisseur, doch seine wahnwitzigen Ideen stehen ihm eher im Wege. Zu seinen „besten“ Werken zählt „Plan 9 From Outer Space“, inzwischen ein Kultklassiker.

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