Ein Experiment mit Abstand

02.09.2020

Das Filmfestival Venedig öffnet trotz Corona-Krise am 2. September seine Pforten.

Alberto Barbera
Festivalchef Alberto Barbera
© Katharina Sartena

Alberto Barbera hat dieser Tage gut lachen: Der Direktor der Filmfestspiele von Venedig ist während des Lockdown in der Corona-Krise stur geblieben und hat, anders als die Verantwortlichen bei den Filmfestivals von Cannes und Locarno, seine Filmschau nicht vorschnell abgesagt, sondern auf eine physische Durchführung bestanden. Die Sturheit hat sich für ihn bezahlt gemacht: Am 2. September eröffnen die 77. Filmfestspiele von Venedig mit dem italienischen Familiendrama „Lacci“ – allerdings wird in diesem Jahr coronabedingt nichts so sein wie sonst. Denn das jubelnde Publikum an der Seite des roten Teppichs ist heuer ausgesperrt. Man will Menschenansammlungen um jeden Preis vermeiden, zumal zuletzt auch in Italien wieder die Infektionszahlen nach oben geschnellt waren.

Stattdessen wird die Tribüne allein den Fotografen gehören, die nicht mehr zusammengepfercht und dicht an dicht ihre Fotos machen werden, sondern schön weitläufig verteilt mit genügend Abstand Aufstellung nehmen sollen. Für Journalisten und sonstige Festivalbesucher gilt: Fiebermessen beim Zutritt auf das Festivalgelände ist Pflicht, ebenso das Tragen von Masken, und zwar auch während aller Filmvorführungen. 

vorab Tickets online reservieren

Auch der Zutritt zu den Kinos ist streng geregelt. Jeder Journalist muss sich für die Presse-Vorstellungen online auf einer Plattform ein Ticket reservieren und bekommt dann einen spezifischen Sitzplatz. Wegen der geringeren Belegung der Kinosäle hat man nun nicht mehr die Wahl zwischen zwei Vorstellungen zu einem Film, sondern zu mindestens vier, die zeitlich nahe beieinander liegen. Von denen werden einige sogar unter freiem Himmel stattfinden, wofür extra zwei Open-Air-Kinos geschaffen wurden. Mit ausgedrucktem Ticket oder am Handy sollen Wartezeiten beim Einlass vermieden werden. Aber erst die Praxis wird zeigen, wie das funktionieren soll. Denn: Die Online-Buchungsplattform war gleich am ersten Tag, an dem man sie aktiv schaltete, nach kurzem nicht mehr erreichbar, vermutlich wegen Überlastung.

letztes Jahr
So wie im vergangenen Jahr wird es heuer auf dem Lido von Venedig nicht zugehen. Das Problem bleibt am roten Teppich coronabedingt ausgesperrt.
© Katharina Sartena

Programmatisch hat sich Barbera bemüht, doch einige attraktive Filme nach Venedig zu holen. Zu den prominentesten Filmen im Rennen um den Goldenen Löwen zählen unter anderem „Nomadland“ mit Frances McDormand, „The World to Come“ mit Casey Affleck sowie „Pieces of a Woman“ mit Shia LaBeouf. Keiner der Stars hat jedoch sein Kommen angekündigt, vor allem die Amerikaner werden dem Lido krisenbedingt fernbleiben.

österreichische Vertretung

Auch Österreich ist mit der Koproduktion „Quo Vadis, Aida?“ der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic und der Schauspielerin Edita Malovcic präsent. Außer Konkurrenz ist „The Duke“ von „Notting Hill“-Regisseur Roger Michell und mit Jim Broadbent und Helen Mirren in den Hauptrollen zu sehen. Oscarpreisträgerin Regina King („If Beale Street Could Talk“) zeigt ihr Regiedebüt „One Night in Miami“ über den Sieg von Boxer Cassius Clay im Jahr 1964. Es gibt vermehrt Filme von Frauen im Programm, allein im Wettbewerb sind es fast die Hälfte der 18 Beiträge, die von Frauen stammen. Eine Dokumentation stellt die Klimaaktivistin Greta Thunberg in den Mittelpunkt. Pedro Almodovar wird seinen neuen Kurzfilm mit Tilda Swinton präsentieren, der man hier den Goldenen Ehrenlöwen fürs Lebenswerk verleihen will. Als Jury-Präsidentin fungiert Cate Blanchett, in ihrer Jury sitzen unter anderem noch Matt Dillon und die österreichische Regisseurin Veronika Franz (ihren aktuellen Film The Lodge könnt ihr in unserer Videothek sehen).

Insgesamt sind diesmal nur 63 Filme – halb so viele wie normal – in der offiziellen Auswahl. Auch die Anzahl der Gäste dürfte sich halbieren. „Diese Filmschau ist ein Experiment“, sagt Alberto Barbera. „Aber es ist auch der Wiederbeginn einer der schönsten Erfahrungen, die es gibt: Gemeinsam im Kino einen Film zu erleben“. Halt nur mit ordentlich Abstand.

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