„Amy Winehouse war mehr als ein Junkie“

20.07.2022

In der Doku „Amy“ begibt sich Regisseur Asif Kapadia auf die Spuren der viel zu früh verstorbenen Sängerin Amy Winehouse. Ein Gespräch über seine Annäherung an die Frau mit der Jahrhundertstimme. Die Doku kann auf CANAL+ bei HD Austria gestreamt werden.

Amy Winehouse
© 2015 UNIVERSAL MUSIC OPERATIONS LIMITED. ALL RIGHTS RESERVED.

Amy Winehouse als Puzzlespiel: Aus hunderten Stunden Videomaterial von Weggefährten, Familie und Fans hat der Brite Asif Kapadia („Senna“) seine berührende und aufschlussreiche Doku „Amy“ montiert, die sowohl die glücklichen Tage im Leben eines jungen, musikalisch hochbegabten Teenagers zeigt, als auch den fatalen Weg in den Absturz, den Amy Winehouse schließlich einschlug. In einer Szene, in der Amy gerade eine Aufzeichnung der Grammys im TV verfolgt, nimmt sie eine Freundin zur Seite und flüstert ihr zu: „Das ganze ist so langweilig ohne Drogen“.

Asif Kapadia hat seine Doku zu einem Kompendium verdichtet, dass möglichst viele Seiten von Amy Winehouse zeigt, darunter auch eine uns bislang unbekannte: Die eines kleinen, schüchternen Mädchens, das bereit war, ihr Leben mit Freude zu leben.

Amy Winehouse
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Mr. Kapadia, Sie nennen Ihren Film schlicht „Amy“. Ein Hinweis darauf, wie Amy Winehouses Leben auch hätte verlaufen können: Simpel, glücklich und bescheiden?

Asif Kapadia: Der Titel soll an dieses kleine Mädchen erinnern, das Amy Winehouse einmal war. Sie war eine außergewöhnliche Frau, Sängerin und Künstlerin, die unter tragischen Umständen viel zu früh verstorben ist. Hätte sie nur ein bisschen mehr das schüchterne Mädchen bleiben dürfen, das sie zu Beginn ihrer Karriere war, wäre vieles vielleicht anders ausgegangen. Amy war mehr als ein hoffnungsloser Junkie.

Wie stellt man sicher, dass einem solch ein Thema als Regisseur nicht über den Kopf wächst?

Man darf sich keinen Druck machen. Ich habe im Vorfeld keinerlei Literatur über Amy Winehouse gelesen, denn ich wollte nicht mit einer vorgefassten Meinung an sie und ihr Umfeld herantreten. Für mich war es wichtig, mich dem Menschen Amy Winehouse über Gespräche zu nähern. Gespräche mit Nachbarn, Familie, Freunden, Verwandten, Weggefährten, Kollegen. Unser Motto war: Schauen wir mal, was wir so alles finden bei diesen Gesprächen. Es gab für „Amy“ kein Script und keinerlei Plan, in welche Richtung sich der Film entwickeln sollte. Ich begann damit, mir ihre Songtexte genau anzuhören. Sie sagten so viel über ihren Zustand aus, und das war Material, dass sie uns schon zu Lebzeiten geschenkt hatte, es lag vor unseren Augen, wir brauchten nur zuzugreifen.

Sie montieren aus Tausenden Schnipseln aus zumeist privaten Videos ein völlig neues Bild von Amy Winehouse. Wie haben Sie Zugang zu diesem Material erhalten?

Einer der ersten Leute, die mir bei diesem Projekt vertrauten, war Nick Shymansky, Amys erster Manager. Bei einem Spaziergang war Nick mit seiner Frau vor plötzlichem Regen in ein Kino geflüchtet, wo gerade mein Film „Senna“ lief. Weder Nick noch seine Frau interessierten sich für Formel 1, aber beide kamen nachher aus dem Kino und hatten geweint. Nick meinte damals: Wäre es nicht großartig, jemand würde einen Film wie diesen über Amy Winehouse machen? Zwei Jahre später rief ich ihn an und fragte ihn, ob er mit mir sprechen würde. Er sagte, normalerweise wäre ihm das viel zu früh und er würde Journalisten nicht vertrauen, aber wegen „Senna“ stimmte er einem Treffen zu. Wir verstanden uns gut und wurden Freunde. Irgendwann zauberte er das Filmmaterial aus der Schublade, das er selbst in Amys frühen Karrieretagen gefilmt hatte. Als ich dieses Material sah, wusste ich, wie der fertige Film aussehen würde. Die Videos zeigten eine überaus witzige, humorvolle, intelligente und coole junge Frau, die man so in der Öffentlichkeit nie gesehen hatte. Man kannte ja eigentlich nur ihr Ende. Ich dachte: Von da bis dorthin in zwei Jahren, das ist eine unglaubliche Geschichte.

In Ihrem Film ergeben sich viele Zusammenhänge erst, wenn das Puzzle über Amys Leben langsam Gestalt annimmt.

Für mich hat die Karriere von Amy Winehouse auch etwas von einem Bollywood-Film, in dem die Songs ja die Story sind, und wo dazwischen Stück für Stück an der Handlung weitergebaut wird. Je mehr ich mit Leuten sprach, desto mehr setzte sich dieses Bollywood-Puzzle zusammen und ich kam drauf, was Amy in ihren Lyrics gemeint hatte. Es war wie das Entschlüsseln einer Botschaft. Ich reiste zu Leuten nach Miami, Paris oder New York und bat sie lediglich um fünf Minuten ihrer Zeit. Die meisten lehnten zunächst ab, denn niemand wollte ernsthaft zu Amy Winehouse interviewt werden. Ihr Leben wäre scheiße genug gewesen, hieß es. Aber sie fanden schnell heraus, dass es mir nicht um ihren Beehive ging und auch nicht um das Make-up, sondern um die echte Person, die dahinter steckte.

Amy Winehouse
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Amys Vater Mitch Winehouse betonte mehrfach, Ihr Film gehöre zu all dem anderen Mist, der über Amy verzapft werde und sei in keiner Weise wahr. Er drohte sogar, dagegen gerichtlich vorzugehen.

Glauben Sie mir, wenn Sie ein solch heißes Thema wie Amy Winehouse in einem Film behandeln, dann müssen Sie sich im Vorfeld sehr genau rechtlich absichern. Das haben wir getan, ich kann mir nicht vorstellen, dass Mitch Winehouse mit einer Klage zu welchem Thema auch immer Erfolg hätte.

Es wirkt, als wäre „Amy“ für Sie auch ein persönlicher Film.

„Amy“ ist der erste Film seit vielen Jahren, den ich in meiner Heimat London gemacht habe. Ich wollte schon lange einen Film dort drehen, aber ich hatte nie ein geeignetes Thema. Stattdessen flog ich immer zu steilen Bergen in den Himalaya. Amy kam aus derselben Gegend wie ich: Ich stamme auch aus Nord-London, habe dort mein ganzes Leben verbracht und kenne die Umgebung genau. Amy war jemand, mit dem ich hätte aufwachsen können.

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