Filme, die die Vierte Wand durchbrechen

12.03.2018
Filme, die die Vierte Wand durchbrechen

© iStockphoto LP. 646766646

Die imaginäre Grenze zwischen dem Filmgeschehen bzw. der Theaterbühne und dem Publikum wird als “Vierte Wand” bezeichnet. Wenn diese Grenze von den Schauspielern überwunden wird spricht man vom Durchbrechen der Vierten Wand. Dieses Durchbrechen ist aber nicht nur eine nette Spielerei, sondern ein Stilmittel, das gezielt den Plot vorantreiben, dem Zuschauer beim Verständnis helfen oder für ein ganz besonderes Überraschungsmoment sorgen kann.

Die Vierte Wand

Im Theater besteht die Kulisse auf der Bühne typischerweise aus maximal drei Wänden. Die Zuschauer blicken durch eine imaginäre Vierte Wand in diese Kulisse. Die Vierte Wand wirkt dabei ein bisschen wie der Spiegel in einem Verhörraum – die Zuschauer sehen zwar hinein, die Figuren im inneren des Raumes nehmen die Außenwelt jedoch nicht wahr und existieren in einer eigenen kleinen Welt.

In den frühen Formen des Theaters haben Schauspieler oft mit dem Publikum interagiert, auf deren Zurufe und Forderungen reagiert. Im realistischen Schauspiel des 19. Jahrhunderts wurde dann die Vierte Wand erschaffen, um Illusionsbrüche zu vermeiden.

Nach 1900 wurde das Konzept der undurchlässigen vierten Wand erneut hinterfragt: Verfechter des analytischen Theaters wollten den Zuschauer mehr miteinbeziehen, um diesen intensiver zum Nachdenken und Hinterfragen anzuregen.

Das Durchbrechen der Vierten Wand

Während die vierte Wand im Theater nur eine gedachte Wand ist, wird sie im Roman, im Film oder in Fernsehserien oftmals als unveränderliche Realität empfunden. Deshalb ist der Effekt umso wirkungsvoller und unerwarteter, wenn eine Figur aus der Handlung ausbricht und den Zuschauer direkt anschaut.

Diesen Kunstgriff hat Edwin S. Porter bereits im Jahr 1903 in “Der große Eisenbahnraub” eingesetzt und hat damit das vermutlich erste Beispiel für das Durchbrechen der Vierten Wand erschaffen. Auch Hitchcock sorgte in der letzten Szene vom “Psycho”, mit einem milden lächeln von Norman Bates, für einen ganz besonderen Horror-Moment.

Die direkte Ansprache kann in Romanen oder Krimis auch als Stilmittel genutzt werden, um den Spannungsbogen aufzubauen. In “Eine unendliche Geschichte” fragt die kindliche Kaiserin mit direktem Blick in die Kamera: “Bitte, helft mir!” Wer möchte da nicht sofort loseilen, um Phantasien zu retten?

Ein weiterer Bruch der Illusion ist es, wenn ein Charakter entdeckt, dass er nur Teil einer fiktiven Welt ist, wie in Peter Weirs “Die Truman Show”, in der Truman sich, wie auf einer Theaterbühne, mit seinen Abschiedsworten direkt an die Zuschauer wendet, bevor er seine Bühne verlässt.

Richtig eingesetzt kann der Durchbruch der Vierten Wand auch beim Verständnis helfen oder dieses um eine Ebene erweitern. Die Macher von “Malcolm mittendrin” verzichten auf eine erklärende Off- Stimme – der Protagonist selbst erklärt in kleinen Zwischensequenzen die Handlung und seine Sicht der Dinge. Auch Francis Underwood, der Protagonist der Serie “House of Cards” blickt regelmäßig direkt in die Kamera und erläutert dem Publikum seine raffinierten Schachzüge.

Auch Querverweise an reale Personen oder Begebenheiten durchbrechen für einen kurzen Augenblick die Fiktion. In “Fuller House” wird die Illusion der Serie mit mehreren offenkundigen Hinweisen, die an die Darstellerinnen aus der Originalbesetzung, Mary-Kate und Ashley Olsen, gerichtet sind, unterbrochen. Die Modemarke der Designerinnen, “Elizabeth and James“, wurde sogar namentlich erwähnt.

“High Fidelity” ist ein Beispiel dafür, das auch ein ganzer Film auf dem Prinzip des Durchbruchs der Vierten Wand aufgebaut werden kann. Der Protagonist Rob Gordon erzählt in einem durchgängigen Monolog – direkt in die Kamera – seine Lebensgeschichte. Auch in “Die fabelhafte Welt der Amélie” fühlen wir uns als Zuschauer wie die engsten Vertrauten der Amélie Poulain und bekommen einen ganz besonderen Einblick in ihre kleine, fabelhafte Welt.

Mel Brooks hat in vielen seiner Filme die vierte Wand durchbrochen. Egal ob in “Blazing Saddles“, “Spaceballs“ oder “Frankenstein“. In der Westernparodie “Der wilde wilde Westen” nutzt er das Stilmittel, um die Ironie zu betonen und die Kritik am Genre zu verschärfen.

Ein ganz aktuelles Beispiel ist “Deadpool”, der charmante aber tollpatschige Superheld wird uns ab 17. Mai 2018 wieder von der Kinoleinwand zugrinsen und einmal mehr beweisen, dass er eine echte Quasselstrippe ist.

Inklusive allen HD Austria -Sendern und mehr als 40 frei empfangbaren HD-Sendern teilweise mit und ohne Signalschutz über Astra 19,2°E. Frei empfangbare Sender sind gratis und unverschlüsselt auf HD Austria-fähigen Empfangsgeräten empfangbar, aber nicht Teil des HD Austria-Pakets. Die mit * gekennzeichneten HD-Sender sind nur mit neuer HD Austria-Hardware bzw. der HD Austria NOW App empfangbar.
HDAUSTRIA
© 2018 HD Austria - alle Rechte vorbehalten.
HD Austria® ist eine Marke, welche M7 Group S.A. unter Lizenz nutzt.
Sitz: Rue Albert Borschette 2, L-1246 Luxembourg | R.C.S. Luxembourg: B 148.073
Niederlassungserlaubnis n° 00143760/1